Tiroler Fledermauskolonien im Fokus internationaler Forschung
Neue Monitoring-Technik der Privatuniversität UMIT TIROL ermöglicht detaillierte Einblicke in das Leben von Fledermauskolonien in Tiroler Kirchen.
Hall in Tirol, 13. Oktober 2026 - Wie viele Tiere leben in einer Fledermauskolonie, wann beziehen und verlassen sie ihr Sommerquartier und welche Umweltfaktoren beeinflussen ihre Aktivität? Diesen Fragen geht die Forscherin Fiona von der Straten, MSc. vom Institut für Mess- und Sensortechnik (IMS) der Privatuniversität UMIT TIROL derzeit in mehreren Tiroler Kirchen nach. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Kollegin Johanna Hetterscheidt, MSc., sowie von Prof. Alexander Sutor dem Leiter des IMS. Im Rahmen des internationalen Interreg-Projekts CABLES entwickeln sie ein grenzüberschreitend harmonisiertes Monitoringsystem für geschützte und teilweise vom Aussterben bedrohte Fledermausarten.
Am Interreg-Projekt sind neben dem Institut für Mess- und Sensortechnik der Privatuniversität UMIT TIROL, Christoph Walder von Ecotone, das Istituto Zooprofilattico Sperimentale delle Venezie (IZSVe) und die Universität Padua beteiligt. Im Mittelpunkt stehen die Fledermausarten Großes und Kleines Mausohr, deren Bestände in Mitteleuropa zunehmend unter Druck geraten.
Geforscht wird an bekannten Mausohr-Hotspots in Tirol, den Pfarrkirchen Walchsee und Unterlangkampfen sowie dem Stift Wilten. In diesen Gebäuden befinden sich stabile Wochenstuben, in denen die Fledermäuse ihre Jungen aufziehen. Besonders Kirchengebäude bieten den Tieren ideale Bedingungen für die Aufzucht ihrer Jungen und sind daher für den Artenschutz von besonderer Bedeutung.
Für die Untersuchung wurde von den UMIT TIROL-Forscherinnen im Rahmen einer Pilotstudie eine Multi-Sensor-Plattform entwickelt, welche an mehreren Tiroler Standorten das automatisierte Erfassen von Radio‑Frequency Identification (RFID), Akustik- und Videodaten ermöglicht. Die gewonnenen Informationen geben Aufschluss über Wanderverhalten, Koloniestruktur und Aktivitätsmuster sowie über den Einfluss von Umweltfaktoren. Die Pilotstudie schafft die Grundlage für langfristige Monitoringprogramme, die automatisiert Aktivitätsmuster etablierter Tiroler Kolonien über mehrere Jahre hinweg erfassen und populationsökologische Entwicklungen umfassender abbilden können.
„Durch die Kombination verschiedener Sensorsysteme können wir das Verhalten der Fledermäuse wesentlich umfassender erfassen als mit einzelnen Messmethoden. So gewinnen wir Daten, die uns helfen, die Aktivitätsmuster und die Dynamik der Kolonien langfristig besser zu verstehen. Bei der Entwicklung unseres Monitoringsystems haben wir besonders darauf geachtet, die Tiere möglichst wenig zu stören und dennoch eine automatisierte, kontinuierliche Datenerhebung zu ermöglichen. Dank der Nutzung von RFID-, Akustik- und Video-Systemen erhalten wir wertvolle Einblicke in die Quartiernutzung, kolonieübergreifende Interaktion und klimatisch beeinflusste Veränderungen im Ausflugverhalten.“, sagt dazu die Forscherin Fiona von der Straten vom Institut für Mess- und Sensortechnik der Privatuniversität UMIT TIROL.
Für den Projekterfolg ist die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen, Gemeinden und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern entscheidend. Die aus den gewonnenen Daten ermittelten Ergebnisse sollen dazu beitragen, Schutzmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln und das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung der Fledermäuse zu stärken.
Im Dachstuhl der Pfarrkirche Walchsee hat Wissenschaftlerin Fiona von der Straten vom Institut für Mess- und Sensortechnik der UMIT TIROL ein Messsystem installiert, mit welchem das Verhalten der Fledermäuse umfassend erfasst wird. (Foto: Johanna Hetterscheidt)
Die Bestände der Fledermausarten Großes Mausohr (im Bild) und Kleines Mausohr geraten in Mitteleuropa zunehmend unter Druck. Mit dem Interreg-Projekt CABLES sollen Schutzmaßnahmen für diese Tiere gezielt weiterentwickelt werden. (Foto: Moritz Kessler)
