Freizeitunfälle im Sommer: Wenn Hitze zur zusätzlichen Gefahr wird
Die aktuelle Analyse des Verbands der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) und des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) zeigt, dass sich im vergangenen Jahr rund 69.200 Menschen bei Freizeitunfällen in den Sommermonaten so schwer verletzten, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Rund 44 Prozent dieser Unfälle ereigneten sich bei sportlichen Aktivitäten.
Neben den klassischen Unfallrisiken gewinnt dabei ein weiterer Faktor zunehmend an Bedeutung: die Hitze. Die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Hohe Temperaturen belasten den Organismus und können bereits bei moderater körperlicher Aktivität zu Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Leistungseinbußen führen. Dadurch steigt auch das Risiko für Unfälle. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen, betroffen sind jedoch zunehmend auch sportlich aktive Menschen.
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Leiter des Instituts für Sport-, Alpinmedizin & Gesundheitstourismus (ISAG) der Privatuniversität UMIT TIROL und der Tirol Kliniken, sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Selbst in den Bergen kann es trotz kühlerer Luft und ausreichendem Trinken zu Überhitzung kommen. Die Körperkerntemperatur kann bei intensiver körperlicher Belastung auf über 41 Grad steigen – ein lebensgefährlicher Zustand.“ Während andere Länder bereits umfassende Strategien zum Umgang mit Hitze etabliert hätten, bestehe in Österreich noch Aufholbedarf. „Wir brauchen Hitzepräventionskonzepte – sowohl für die individuelle Sicherheit als auch für Veranstaltungen in unseren Breiten“, betont Schobersberger.
Dass Prävention gerade in der Ferien- und Freizeitzeit besonders wichtig ist, unterstreicht auch Mag. Christian Schimanofsky, Direktor der Präventionsinstitution KFV: „Gerade in den Sommermonaten sind viele Menschen in ihrer Freizeit entspannter unterwegs, dadurch werden Unfallrisiken jedoch oft unterschätzt. Doch Unfälle können nicht nur gesundheitlich, sondern auch organisatorisch und finanziell rasch zur Belastung werden. Denn im Ausland gelten oft andere Regelungen und die medizinische Versorgung ist teilweise nicht mit österreichischen Standards vergleichbar.“
Neben gesundheitlichen Folgen können Freizeitunfälle auch erhebliche finanzielle Belastungen nach sich ziehen. Während Personen bei Unfällen im Rahmen von Arbeit oder Ausbildung durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert sind, gilt dieser Schutz bei Freizeitunfällen nicht. Darauf weist auch Mag. Christian Eltner, Generalsekretär des VVO, hin: „Eine private Unfallversicherung ergänzt die gesetzliche Sozialversicherung und erbringt nach Freizeitunfällen auch Leistungen bei Invalidität und im Ablebensfall. Je nach Vertragsgestaltung können zudem Kosten für medizinisch notwendige Rücktransporte aus dem Ausland oder Bergungskosten – etwa bei Alpinunfällen – übernommen werden“, sagt Eltner.
Tipps zur Vermeidung von Unfällen in der Freizeit
- Vorsichtsmaßnahmen beim Sport: Gute Vorbereitung, passende Ausrüstung und realistische Selbsteinschätzung sind entscheidend, um Unfälle zu vermeiden.
- Warnsignale bei Hitze ernst nehmen: Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit können erste Anzeichen einer Überlastung durch Hitze sein. In solchen Fällen sollte die Aktivität sofort beendet, Schatten aufgesucht und ausreichend getrunken werden. Verschlechtern sich die Symptome oder treten Verwirrtheit bzw. Kreislaufprobleme auf, ist rasche medizinische Hilfe erforderlich.
- Regelungen im Ausland vorab prüfen: In beliebten Urlaubsländern gelten teils andere Vorschriften und Sicherheitsstandards. So gilt etwa in Spanien eine Helmpflicht für Radfahrende – unabhängig vom Alter.
- Ausreichend trinken: Vor und während sportlicher Aktivitäten sollte auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Bei der Sportausübung an heißen Tagen steigt der Flüssigkeitsbedarf deutlich an.
- Sport möglichst in kühlere Tageszeiten verlegen: Körperliche Aktivitäten sollten an heißen Tagen bevorzugt in den Morgen- oder Abendstunden stattfinden. Die intensive Mittagshitze sollte möglichst vermieden werden.
